Führung stärken in »Reflecting Teams«
Führungskräfte bewegen sich in komplexen und sich schnell verändernden Umwelten, oft in einer ‚Sandwichposition‘. Die Erwartungen an Klarheit, Handlungsfähigkeit und Präsenz ist hoch. Wie kann man die einzelne Führungskraft stärken, gleichzeitig das Team und die Organisation? „Reflecting Teams“ sind dafür eine effiziente Methode.
Wie funktionieren Reflecting Teams?
Fünf bis sechs Führungskräfte kommen für 3-4 Stunden zusammen, mit mir als Beraterin. Nach einem kurzen Check-in geht es los. Wer hat einen „Fall“ dabei, der auf den Nägeln brennt?
Ich führe zunächst einen fokussierten Dialog mit der Fallgeber*in, um möglichst viele Informationen aus der Perspektive der Betroffenen in den Raum zu holen: Was ist das konkrete Anliegen? Wer ist beteiligt? Was wurde bereits versucht? Wo gab es Ausnahmen zu dem „immer“? usw.
Die anderen Führungskräfte sind dabei bereits das Reflecting Team – sie beteiligen sich nicht aktiv am Gespräch, sondern hören aufmerksam zu, machen sich Notizen.
Nach ca. 15 Minuten wechselt das Setting: Jetzt denkt das Reflecting Team laut über das Gehörte nach. Diese Gedanken und Ideen werden dabei in einer wertschätzenden und unterstützenden Art geäußert. Ziel ist es neue Perspektiven, Stärken (Ressourcen) und Lösungsoptionen zu kreieren. Gern ‚verrückt‘, immer wertschätzend. Diese Phase dauert 15-20 Minuten, hier ist die Fallgeber*in im Hintergrund und hört nur zu.
Nach dieser ungewohnten Runde für die Fallgeber*in („Es wird über mich gesprochen!“) wende ich mich ihr noch mal zu und frage nach Gedanken und Impulse, die beim Zuhören entstanden sind, die Ernte der Runde sozusagen und ein Feedback an die Kolleginnen. Dann geht es weiter mit der nächsten Runde.
So ist der Ablauf von Reflecting Teams – und sie sind eine kraftvolle, einfache und wirksame Maßnahme für die Stärkung von Führung in Unternehmen.
Die systemische Therapie hat hier die Vorlage geliefert: Die Trennung des ratsuchenden und des rat gebenden Systems, der aktive und bewusste Wechsel der Dialog- und Reflektionsebene und der lösungs- und ressourcenorientierte Fokus machen das Besondere an dieser Methode aus. Und das ist wirkungsvoll: in relativ kurzer Zeit entsteht eine bemerkenswerte Lösungsqualität – diese Erfahrung habe ich in vielen Teams und Runden immer wieder gemacht.
Weiterhin zahlt diese Methode ein auf Vertrauen und Kollegialität in Führungsteams,
auf eine Kultur der Kollaboration statt Konkurrenz, und nicht zuletzt auf die Lernfähigkeit der Organisation.
Susanne Moosdorf – Executive Coach